Freitag, 20. April 2007

Tue, 12 Dec,12:47 – 038

Liebe Tina,

manchmal treffen sich eben Einfühlung und Wunschbild in der Mitte, somit „den Nagel auf den Kopf“. Im Ernst: ich bin viel mehr von Bildern als von Tönen gesteuert. Zugleich bin ich manchmal der vielen Bilder, die von überall auf mich einströmen, überdrüssig. Es ist ja ein ständiger Kampf: wieviel läßt du zu, wieviel lehnst du ab. Wie schnell gibst du deinen Wünschen nach Nachschub nach? Für dich auch?

Es ist ja nicht so, daß ich „Stimmung“ nicht mag. Ich bin auch gar nicht so streng, wies vielleicht geklungen haben mag, was andere betrifft. Was mich betrifft, bin ich da inzwischen reservierter geworden, weil ich die „Stimmung“ beim Heurigen (meines Schwagers zum Beispiel) sehr gut kenne, aber da nicht mehr hineingezogen werden will. Das heißt: ich will für mich kein Hilfsmittel benützen, um in Stimmung zu kommen. Ich möchte erleben, wie sich die Stimmung – ohne Rezept und Hintergedanken – zwischen mir und einer anderen Person aufbaut. Eine Spannung, die die alltäglichen Grenzen vergessen läßt und die „besseren, tieferen, kreativeren Seiten“ hervorkehrt.

Manchmal suche ich aber bewußt Orte auf, wo sich etwas tut. Ich mach nicht mit, weder bei einer Orgie noch bei einer Panik, nehme aber teil. Zum Beispiel in der Silvesternacht bin ich gern mittendrin, nicht weil Silvester ist, sondern weil ich es genieße, anonym unter so vielen Menschen zu sein. Diese Masse an Menschenkörpern. Das ist ja auch Stimmung, und zwar eine unwiederholbare.

(Einschub: Ich wundere mich wieder, wie du es schaffst, während der Arbeit deine Briefchen zu schreiben!! Ich könnte das nicht. Im Institut gäbs genug Computer. Und ich könnte mich zum Beispiel in die Bibliothek zurückziehen. Am Abend und auch am Wochenende wäre ich auch meistens der einzige dort, außer den Putzfrauen. Trotzdem habe ich dort noch nie am Computer gearbeitet. Die Atmosphäre würde mich nervös machen. Doch du kannst das sichtlich! Aber wie gehst du dabei mit den Zuschaueraugen des Rauchers hinter dem Fenster um?)

Meine Frage war: „Wem hast du die Seele gestohlen? Und wessen Seele hast du „irgendwo in Deinem Herzen wegsperrst“?“ Du schreibst: „Das Stehlen geschieht meist unbemerkt und auf einmal gibt's Dich als "ich" nicht mehr. Ob Du jemand die Seele gestohlen hast, weißt Du vielleicht gar nicht, weil diejenige stark genug war, es Dir nicht zu sagen.“ Bist du jetzt in einer solchen Situation?

Vorige Woche hast du geschrieben: „Werde allein damit nicht fertig, daher folgende Methoden, Nähe suchen und kuscheln, gestreichelt und getröstet werden.“ Willst du mir jetzt darüber mehr schreiben?

Übrigens: völlig „unerotische K“ sind immer dort angebracht, wos weh tut. (Aber wo tuts nicht weh?!)

Alles Liebe
ALEX

PS: Ich könnte morgen, also Mittwoch, das CP-Buch im Café Rathaus vor 18 Uhr hinterlegen. Schaffst dus?
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